Verfasst von: kalimera-blog | 9 Februar, 2009

Gutes Abi/Matura in Griechenland fast nur für wohlhabende möglich

Klassisches "Frontistirio", private Nachhilfeschule

Klassisches "Frontistirio", private griechische Nachhilfeschule

Griechenland, das Land der Wissenschaften und Gelehrten, das war ein mal bis vor ein paar Jahrzehnten.
Als Vater von Zwillingen in der elften Klasse, also ein Jahr vor dem Abitur, bekomme ich die finanziellen Änderungen, die eine „Lobby“ seit vielen Jahren gepflegt und ausgebaut hat, schmerzhaft am Familien-Geldbeutel zu spüren. Dabei haben meine Frau und ich noch das Glück ziemlich lernfähige und fleißige Kinder zu haben.

Aber mal alles von Anfang an (immer aus meiner Sicht geschildert).
Bevor ein Lehrer (und davon gibt es viel zu viele meiner Ansicht nach) eine Stelle in einer öffentlichen Schule bekommt, vergehen mehrere Jahre in denen sich diese durch „Sponsoring“ der Eltern oder aber durch alle möglichen Jobs über Wasser halten müssen.

Nachdem das Bildungsministerium immer schlechtere Lehrpläne und Bücher ausarbeitet, tauchen die ersten privaten Nachhilfeschulen auf, eben von solchen arbeitslosen Lehrern gegründet. Das muss so gegen Anfang der 80er Jahre, wenn nicht noch früher geschehen sein.
Das Lehrmaterial das im Schuljahr verarbeitet werden muss wird immer mehr und die Lehrer, ob aus Langeweile, Zeitdruck oder Absicht, erklären die Themen im Schnelldurchgang im Unterricht .

So ist es kein Wunder das die Privatschulen im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden schießen, meist in Zweizimmerwohnungen oder Ladenlokalen untergebracht. Zuerst gab es Privatschulen die Fremdsprachen, Mathe, Chemie und Physik unterrichten, dann folgen schnell weitere Fächer wie Altgriechisch, Latein bis hin zu Neugriechisch inklusive Aufsätze üben usw.

Im Gespräch mit anderen Eltern erfahre ich immer wieder, was das „Nebenschulsystem“ kostet und dass sogar schon Kinder im Hauptschulalter dort hingeschickt werden. Am Zenith, also 2 bis 4 Jahre vor dem Abitur kostet ein Kind schon mal locker 200 bis 700 € im Monat, je nach dem wie viele Fächer es nebenbei nochmal richtig lernen muss. Es muss also die Mutter, die z.B. als Verkäuferin arbeitet und 600-700€ im Monat verdient für das Arbeiten, wozu die öffentlichen Schulen eigentlich verpflichtet wären.

Warum lassen sich die Eltern das denn alles gefallen?
Früher musste man, um beispielsweise in einer Bank eingestellt werden zu können, das Diplom für zwei Fremdsprachen vorweisen.
Mittlerweile gibt es öffentliche Stellenausschreibungen, in denen für die Stelle einer Putzfrau oder eines Strassenkehrers mindestens zwei Fremdsprachen verlangt werden.!! Was aber das kurioseste ist, die staatlichen Ausschreibungen erkennen die lehre der Fremdsprachen von öffentlichen Schulen nicht an!
Man wird also gezwungen seine Kinder in Privatschulen einzuschreiben und pro Sprache zwischen 40 und über 100 € im Monat zu zahlen, ohne die Prüfungsgebühren, die Reisekosten, denn Prüfungen werden nur in Großstädten abgegeben, Bücher usw.

Kein Wunder dass vor kurzem der ganze Frust der Jugend in Randalen und Demonstrationen im ganzen Land abgebaut wurde.
Denn es handelt sich um die Generation der sogenannten 700 € Angestellten.
Die Kinder gehen von Morgens bis Mittags in die Schule, essen flüchtig etwas und hetzen dann von Privatschule zu Privatschule.
Wenn dann auch noch Musikunterricht, Kampfsport oder sonstiges auf dem Programm steht haben sie ohne zu übertreiben einen 14 bis 16 Stunden Tag hinter sich. Dann kommt das teure Studium hinzu, inklusive Miete, Verpflegung, Reisekosten etc. hinzu.
Für was? Um nach Hunderten von Bewerbungen einen „begehrten“ 700 € Job zu ergattern.
Irgendwann mal, verdient später das junge Ehepaar seine 1400 € im Monat zusammen und überlegt sich zehn mal, ein Kind in die Welt zu setzen.

Um Asterix und Obelix indirekt zu zittieren: DIE SPINNEN DIE GRIECHEN

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